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Schöne Erinnerungen von Mira Koller: „Mein drittes Kind sollte, wie auch das zweite, wieder eine Hausgeburt werden. Jedoch hatte es zunächst den Anschein, als wenn ES dies anders sieht. Als es sich bis zur 34. Woche noch nicht gedreht hatte, es lag noch in Steißlage, startete ich mit meiner Hebamme die ersten Drehversuche. Wir begannen ganz sanft mit Reiki. Dies ist für mich immer sehr entspannend gewesen und hat mir bereits geholfen bei Vorwehen und Rückenschmerzen. Meine Hebamme sagte jedoch, dass das Kind sehr stur sei und in keiner Weise darauf reagiere. Nach zwei erfolglosen Reikisitzungen beschlossen wir zu moxen. Hierzu nimmt man eine glühende Beifußzigarre und hält sie möglichst nah an die beiden kleinen Zehen. Dies empfand ich jedoch als sehr unangenehm und nicht dazu dienlich, mich zu entspannen und positive Gedanken für mein Kind zu entwickeln. Sollen dies die Frauen in China tun. Ich teilte meiner Hebamme mit, die Zigarren kann sie daheim lassen, sie hat in ihren Händen viel mehr Energie. Außerdem war ich fest davon überzeugt, dass sich mein Kind sowieso dreht, auch ohne großes Zutun. So blieben meine Drehversuche außer bei der Indischen Brücke und zwei Reikisitzungen in der Woche nur bei ständigen konzentrierten Kontaktaufnahmen meinerseits mit dem Baby. Ich redete ihm gut zu, dass ich mich sehr darauf freue und ich bat es, uns beiden eine angenehme Geburt zu ermöglichen. Eine Steißlagenentbindung ist auch für das Baby kein schöner und wünschenswerter Start ins Leben. In der 38. Woche immer noch nichts. So sahen wir keinen anderen Weg, als uns für eine Geburt im Krankenhaus anzumelden. Das Gespräch mit dem Chefarzt verlief auch ganz erfreulich, außer bezüglich des Dammschnittes. Hier werde man kein Risiko eingehen, hieß es, und es werde prophylaktisch geschnitten. Auch Medikamente, um den Verlauf der Wehen zu beeinflussen, werden bereitgehalten. Hierfür wird eine Kanüle gelegt. In dem Krankenhaus, in dem ich mich angemeldet hatte, gab es drei Ärzte der älteren Generation, die Steißlagen natürlich entbinden. Von den jungen Ärzten kann dies keiner mehr. Also musste der Dienstplan so umgestellt werden, dass einer von den drei Ärzten immer bereit war. Ich weiß nicht, ob alle Krankenhäuser so kulant sind. Dann besta‚nden die Ärzte jedoch noch auf einer Beckenmessung mittels Magnetresonanztherapie, obwohl ich schon zwei Kinder natürlich geboren hatte. Dies lehnte ich strikt ab und verschob den Termin hierfür erfolgreich immer wieder, bis es dann zu spät war, denn die Geburtswehen setzten ein. Meine Hebamme hatte mir gesagt, wenn das Baby sich dreht, gibt es so einen Ruck, dass frau davon sogar wach wird. Von einem Ruck oder ähnlicher Bewegung hatte ich nichts gespürt, also mussten wir davon ausgehen, dass es noch in Steißlage war, und machten uns auf den Weg ins Krankenhaus. Die Wehen traten ca. alle 10 Minuten ein. Dort angekommen, begann sofort die Klinikroutine, hinlegen und Wehenschreiber. Die Schwester wollte sogleich die Kanüle legen, aber ich sagte, nicht ohne Ultraschall. Ich hatte Glück mit dem Dienst habenden Arzt, er holte sogleich ein fahrbares Ultraschallgerät. Alles bestens, war die Antwort des Arztes, der Kopf liegt unten. Ich sprang sofort auf und sagte, dass ich dann gleich wieder heimgehe. Die Schwester starrte mich an, und der Arzt wünschte mir eine schöne Geburt. Meine Hebamme war allerdings etwas unvorbereitet. Es war 5.30 Uhr, sie wohnte 35 km weit weg und aufgrund der Steißlage war sie nicht auf eine Hausgeburt eingestellt. Sie musste also schnell zusammenpacken und mich auf dem Weg zu mir gleich noch aus dem Krankenhaus abholen. Zuhause angekommen, hatte ich bereits heftige Eröffnungswehen, die ich kniend, die Arme auf einen großen Ball gelegt, veratmete. Ich konzentrierte mich ganz bewusst direkt auf den Schmerz und atmete dort hin. Meine Hebamme und mein Mann waren bei den Vorbereitungen. Mein Mann sorgte für heißes Wasser, heiße Kirschkernkissen und warme Handtücher. Die Hebamme breitete je ein Tuch auf dem Boden und auf der Couch aus, legte Binden und Dammöl bereit, und beide machten Scherze. Dabei beließen sie es, da die Wehen bereits in so kurzen Abständen bzw. unmittelbar hintereinander kamen, dass es wohl wieder so eine schnelle Geburt werden würde, wie beim zweiten Kind. Ich empfand die Wehen als sehr heftig, und manches Mal habe ich mir eine langsamere Geburt gewünscht. Die Wehen kamen fast ohne Abstand. Anders als bei den ersten zwei Geburten hatte ich ein sehr großes Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Stütze. Mein Mann und meine Hebamme stützen mich zu Beginn beide und wir gingen im Zimmer auf und ab. Als es dann auf die Austreibung zuging, kniete ich mich hin und hielt mich an meinem Mann fest. Zum Stehen hatte ich nicht genug Kraft. Jetzt platzte auch die Fruchtblase. Ich spürte, wie das Baby immer weiter nach unten glitt. Während dieser Zeit bereitete meine Hebamme meinen Damm mit in heißem Wasser getränkten Binden vor. Weiterhin legte sie mir während der Wehen ein heißes Kirschkernkissen auf den Rücken und schüttelte es ständig. Ich empfand die starke Hitze als sehr angenehm, besonders im Rücken. Unmittelbar, bevor das Köpfchen schon fast rausschaute, wurde mein Damm mit Öl eingeschmiert. Dies ist gleichzeitig für mich der absolute Schmerzhöhepunkt gewesen. Wie auch bei der zweiten Geburt glaubte ich, es nicht aushalten zu können. Doch in meinem Mann habe ich keinen, der bemitleidet und tröstet, sondern einen, der anfeuert. Und so machte er mich auch dieses Mal wieder stark genug, es durchzustehen. Und das Baby flutschte heraus. Es war 7.00 Uhr. Mein Sohn war ganz blau, aber schon nach wenigen Augenblicken wurde er rosig. Wir hatten extra ein rotes Handtuch gekauft, weil es im Bauch ja schließlich auch rot ist. Dieses war jetzt im Backrohr gewärmt und das Baby wurde eingewickelt. So kuschelig eingepackt legten mein Sohn und ich uns hin zur wohlverdienten Verschnaufpause. Meine ersten zwei Kinder kamen, um ihren Bruder zu bestaunen und vor allem, um zu schauen, ob mit Mama alles ok ist. Bei der zweiten Geburt hatte meine Tochter die ganze Zeit zugeschaut. Sie war damals 2,5 Jahre alt. Dieses Mal hatte sie nur durch die Türscheibe geschaut, da sie noch nicht ganz wach war. Eine Hausgeburt ist so intim und so natürlich, auch und gerade wenn schon Kinder da sind. Ich wollte nicht, dass meine Kinder mich im Krankenhaus besuchen müssen. Wir sollten von Anfang an als Familie zusammen sein. Dies erfordert jedoch einige Vorbereitungen hinsichtlich der Alltagsbewältigung für das Wochenbett. Nach einer halben Stunde drückte meine Hebamme etwas auf meinen Bauch, denn die Nachgeburt war noch nicht gekommen. Ich wollte jedoch meine Ruhe haben, und sie gab mir noch eine halbe Stunde. Dann wurde sie jedoch unruhig und kam mit Wehentropfen wieder zu mir. Ich sagte ihr jedoch, ich habe für die nächste Zeit genug Wehen gehabt und wollte es anders probieren. Also kniete ich mich noch einmal hin und drückte auf meinen Bauch. Ich wollte die Plazenta raus schieben während meine Hebamme ganz sanft an der Nabelschnur zog. Sie glitt sofort heraus. Dann untersuchte meine Hebamme sie auf Vollständigkeit und kam mit der nächsten Hiobsbotschaft. Sie sagte, dass die Plazenta an zwei Stellen eingerissen war und sie müsse jetzt schauen, ob sie nur kaputt oder unvollständig sei. Dazu goss sie Milch, bei mir tat es auch Reismilch, darüber und erkannte anhand des Verlaufes, dass sie nur eingerissen, aber vollständig sei. Ihr standen sichtlich die Schweißperlen auf der Stirn. Sie sagte mir, dass ich ihr einziger Fall bin, der ein solches Vertrauen in seinen eigenen Körper hat und genau weiß, was dieser braucht. Schon allein, wie ruhig ich die Drehversuche angegangen bin, hatte sie ziemliche Nerven gekostet. Aber sie kannte mich ja schon. Wäre dies unsere erste gemeinsame Geburt gewesen, wäre sie nicht so ruhig geblieben. Die Aufräumarbeiten waren in wenigen Minuten erledigt. Mehr Zeit nahmen dann die Vorbereitungen für das Frühstück in Anspruch. Vorher untersuchte meine Hebamme mich noch und stellte hoch erfreut fest, dass mein Damm völlig unverletzt war, ich hatte nicht den kleinsten Riss. Ich war überglücklich und sehr stolz auf mich. Gegen 9.30 Uhr setzte ich mich an den Frühstückstisch, als wäre nichts gewesen, und aß etwas. Dann gingen wir zwei ins Bett, mein Sohn schlief ja eh schon. Ich war jedoch überhaupt nicht müde, erschöpft ja, aber schlafen konnte ich nicht. Es ist schon sehr komisch, ein Baby am Morgen zu bekommen, dafür ist doch normalerweise die Nacht da, dann kann frau hinterher wenigstens schlafen.“ |
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